Kaffeegenuss ohne Ausbeutung
10 Jahre Partnerschaftskaffee
Kaum jemand erinnert sich bei uns heute noch daran - vor 11 Jahren fielen die Weltmarktpreise für Rohkaffee so rasant und tief, dass die Existenz vieler Kaffee produzierender Kleinbauern gefährdet war. Vietnam hatte damals den Weltmarkt mit Robusta-Kaffee überschwemmt und die Kaffeehändler rund um den Globus griffen begierig nach der billigen Ware. Das Nicaragua-Forum hatte in den Jahren vor diesem Kaffee-Crash immer wieder Kaffeekooperativen mit Projektfinanzierungen unterstützt. Die Existenz dieser Kooperativen war durch den Verfall der Weltmarktpreise existenziell gefährdet. Um nicht einfach nur dem Verfall zuzuschauen, holte das Nicaragua-Forum damals die Weltläden in der Stadt mit ins Boot und initiierte mit diesen den Heidelberger Partnerschaftskaffee.
Grundlage der Zusammenarbeit mit den Kooperativen war von Anfang an ein über das Bezahlen von FairTrade-Preisen hinausgehendes Partnerschafts-Verständnis. Durch zusätzliche Projektfinanzierungen (mit einem Euro pro verkauftem kg Kaffee) sollten die Kaffee-Kooperativen gestärkt werden, Ansätze zu einer selbstbestimmten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Bauernorganisationen gefördert werden. Den Anfang der Projektfinanzierung bildete die Unterstützung von Diversifizierungs-Programmen, um angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation die Selbstversorgung der Familien mit Grundnahrungsmitteln zu verbessern und zusätzliche Einnahmen durch andere Produkte zu ermöglichen. Weitere Schritte waren die Finanzierung von Programmen zur Umstellung auf Bioanbau, die Übernahme von Zertifizierungskosten, die Entwicklung biologischer Schädlingsbekämpfungsmittel und viele weitere Projekte.
Anfänglich zahlte der Partnerschaftskaffee nach Projektanträgen der Kooperativen die Gelder für die geplanten Maßnahmen aus. Seit einigen Jahren wird nun die Förderung direkt mit dem Kaffeepreis im Kaufvertrag vereinbart. Dadurch erhielten die Kooperativen nicht nur eine größere Eigenverantwortung, sondern auch das Verständnis änderte sich. Aus einer zusätzlichen Projekt-Gabe wurde ein höherer Kaffeepreis mit einem Anteil für die Finanzierung gemeinschaftlicher Aufgaben der Kooperative. Diese Zusatzvinanzierung ist im Kaufvertrag fest vereinbart. Auf ein Siegel hat der Partnerschaftskaffee angesichts seiner partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Produzentenorganisationen bewusst verzichtet.
Neben dem partnerschaftlichen Verhältnis spielte die Qualität des Kaffees von Anfang an eine wesentliche Rolle. Mit dem Verkauf von sortenreinen Kaffees einzelner Produzentenkooperativen aus einem begrenzten Anbaugebiet hat der Partnerschaftskaffee schon frühzeitig Maßstäbe gesetzt, die im Gourmet-Kaffeehandel erst langsam realisiert werden. Mit dem engen Bezug zu den Produzentenorganisationen hat der Partnerschaftskaffee auch den an Qualität orientierten Kleinröstern vieles voraus. Durch die regelmäßigen Besuche bei Kleinbauern und die Begleitung der Produktionsschritte ist die Verbesserung der Kaffeequalität und Geschmack keine geheimnisvoll zu umschreibende Angelegenheit, sondern differenziert auf konkrete Maßnahmen zurückzuführen.
Die in den ersten Jahren noch relativ niedrigen Verkaufszahlen des Partnerschaftskaffees sind inzwischen deutlich angestiegen. Während 2001 knapp 1,5 Tonnen verkauft wurden, waren dies 9 Jahre später schon fast 15 Tonnen Kaffee. Die Kaffeekooperativen profitieren ganz direkt von dieser Steigerung. Mit dem Kaffeekauf 2011 erhielten die Kooperative UCPCO 6000 US-$ für die Förderung der Gesundheitsversorgung von Frauen, die Kooperative SOPPEXCCA 6000 US-$ zur Finanzierung des Bildungsfonds für Kinder von Kaffeebauern und die Kooperative Cosatin/Tierra Nueva ebenfalls 6000 US-$ für eine Initiative zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Frauen in der Kooperative. Weitere Finanzierungen sind geplant, wobei der Partnerschaftskaffee hierfür auch noch auf eine Förderung des Landes Baden-Württemberg für einen Kreditfonds einer neu aufgenommenen Liefer-Kooperative hofft. (aus Nicaragua Aktuell Juli 2011)
Eine kleine Bilanz der Arbeit des Partnerschaftskaffee können Sie ab dem 16.09.2011 unter www.fair-ist-mehr.de finden. Bis dahin bitten wir Sie noch etwas um Geduld.

