Partnerschaftlicher Handel – eine Weiterentwicklung

Glauben wir der Werbung der Kaffeekonzerne, gibt es Genuss und Qualität zum Schnäppchenpreis. Selbst ökologische und faire Produkte gibt es angeblich zu Mini-Preisen. Mit der Werbung, dass selbst Fair immer billiger geht, entwerten die Discounter die Ansätze dieses Handels und die Arbeit der ProduzentInnen. Glauben wir der Siegelorganisation TransFair, so ist inzwischen Fair in aller Munde. Vor allem beim Kaffee. Die entwicklungspolitisch wichtige Frage aber lautet, was ein solcher fairer Handel den Bauern noch bieten kann.

Die Mindestpreise, für die der Faire Handel eigentlich steht, wurden beim Kaffee über viele Jahre nicht erhöht. Erst als die normalen Börsenpreise schon weit über dem Mindestpreis lag, war auch die Fair Trade Labeling Organization (FLO) bereit, die Mindestpreise leicht anzuheben. So wurde aus dem Modell zur Entwicklungsförderung eine Art Versicherung für eventuell drohende Tiefpreiszeiten (Verfall der Weltmarktpreise für Kaffee).

Was bedeutet Fair?Pedro, Kleinbauer bei Soppexcca, pflückt seinen Kaffee. Foto: H. Reinke

Von den inzwischen stark im Fair-Trade-Markt vertretenen Discountern und Röstern ist auf diese Frage keine schlüssige Antwort zu erwarten. Für sie war und ist Fair Trade vor allem ein Zusatzgeschäft und Mittel zum Imagegewinn, keine Überzeugung und kein besonderes Anliegen. Und da auch ein Teil der traditionellen Fairhandelshäuser inzwischen einen Großteil ihres Geschäfts in den Supermärkten mit Konkurrenz zu den anderen Billigprodukten abwickeln, kommt auch von ihnen bislang keine erquickliche Antwort. Dem Partnerschaftskaffee blieb deshalb nichts anderes übrig, als seine Arbeit selbst weiter zu entwickeln. So entstand das Heidelberger Modell als eine Weiterentwicklung des Fairen Handels.

Schon in der Vergangenheit hatte der Heidelberger Partnerschaftskaffee immer zusätzlich zu seinen über den Mindestpreisen liegenden Fairen Einkaufspreis einen Projektaufschlag von einem Euro pro verkauftem Kilo Kaffee für die Finanzierung von Entwicklungsprojekten eingesetzt. Bisher beantragten die Kooperativen Gelder für bestimmte Maßnahmen beim Partnerschaftskaffee und erhielten die Projektgelder separat ausgezahlt.

Das partnerschaftliche Heidelberger Modell

Den Projektaufschlags von einem Euro pro Kilo Kaffee behält der Partnerschaftskaffee auch weiterhin bei. Die Kaffeekooperativen erhalten ab der Ernte 2008/09 schon mit dem Einkauf des Partnerschaftskaffees den Projektaufschlag ausbezahlt. Sie verwalten diese Gelder selbständig. Die zu finanzierenden Entwicklungsmaßnahmen werden von den jeweiligen Kooperativen mit dem Heidelberger Partnerschaftskaffee abgesprochen und danach selbständig durchgeführt.

Die Kaffeekooperativen erhalten durch dieses Modell eine größere Verantwortung, werden noch mehr als bisher zu den Verantwortlichen für ihre Entwicklung. Und der Partnerschaftskaffee kann für sich in Anspruch nehmen, dass sein partnerschaftlicher Handel eine Weiterentwicklung des Fairen Handels darstellt. Durch die Kooperation innerhalb der MITKA (MITtelamerikanische KAffee Im- und Export GmbH), über die der Partnerschaftskaffee seine Importe abwickelt, haben auch andere Kaffeehändler die Möglichkeit, an diesem Modell zu partizipieren. Ob sie es nutzen werden, muss sich noch zeigen.

Erwartungen der ProduzentInnen

Welche Erwartungen haben Kleinbauern und Kooperativen an den Fairen Handel insgesamt? Wie sieht eine für alle Seiten stimmige Balance zwischen höheren Einkaufspreisen und verlässlichen Handelsbeziehungen aus? Wie muss sich die Bioproduktion im Preis niederschlagen, um der deutlich höheren Arbeit gerecht zu werden? Solche Fragen werden im Mittelpunkt der nächsten Reise von VertreterInnen der MITKA zu ProduzentInnen in Mittelamerika (Jan./Feb. 2009) stehen. Vertreter des Partnerschaftskaffees werden sich an dieser Diskussion aktiv beteiligen.