TIERRA NUEVA - COSATIN
Der Kooperativenverband Cosatin - Tierra Nueva (Cooperativa de Servicios Agropecuarios Tierra Nueva) hat seinen Sitz im Städtchen Boaco im gleichnamigen Departement, das etwa 80 km nordöstlich von Managua liegt. 480 Kleinbauern hatten sich 1997 in Cosatin zusammengeschlossen, um ihre Ernte gemeinsam zu vermarkten. Neben Kaffee produziert man hier Honig, Milch, Gemüse. Der Erfolg der Arbeit kann sich sehen lassen: Immerhin 40 Prozent der Produktion werden über den fairen Handel nach Europa und den USA verkaufen. Cosatin wächst stetig und hat inzwischen rund 640 Mitglieder. Diese leben recht verstreut in kleinen Gemeinden auf 500 bis 1400 Metern Höhe.
Während der Zeit der Kaffeekrise (2000 bis 2005) musste keines der Kooperativenmitglieder seine Felder aufgeben. Das ist alles andere als selbstverständlich in Nicaragua. Aber auch aus dieser Gegend sind in den vergangenen Jahren viele Menschen ausgewandert - nach Costa Rica, in die USA oder einfach in die Armenviertel von Managua. Die niedrigen Kaffeepreise ließen ihnen keine andere Wahl. Das Geld reichte manchmal nicht einmal mehr für genügend Reis, Bohnen und Mais. Und wo es nicht einmal für das Allernötigste reicht, ist auch kein Geld für die Kinder, die Schule und die Gesundheitsversorgung da. Den Cosatin-BäuerInnen ging es in dieser Zeit etwas besser: Sie hatten nicht nur ausreichend zu essen, sondern es reichte auch für die Schule. Aus dem Mehrpreis des fairen Handels werden außerdem Stipendien finanziert, die einigen Mitgliedern ein agrarwissenschaftliches Studium ermöglichen.
Cosatin produziert für den Export Kaffee und Honig. Beide Produkte stammen ausschließlich aus biologischem Anbau. Daneben werden Mais, Bohnen, Zitrusfrüchte, Bananen und Kakao für den Eigenbedarf, zum Teil auch den lokalen Markt, angebaut. Um vom Kaffeeanbau unabhängiger zu werden, diskutieren viele der Cosatin-Mitglieder die Möglichkeiten, weitere Produkte für den Export zu produzieren. Außerdem entwickelt die Kooperative derzeit eine eigene Bio-Marke für Milchprodukte und Gemüse zum Verkauf auf dem einheimischen Markt. Damit einher geht die Umbenennung von Cosatin in Tierra Nueva.
Vor Kurzem begann eine Gruppe von Frauen damit, Pilze als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel gegen die Broca-Käfer (die die Kaffeekirschen schädigen) zu züchten. Sie hoffen damit neben dem besseren Pflanzenschutz auf eine zusätzliche Einnahmequelle.
Ein Teil des Mehrpreises, den der Kooperativenverband im fairen Handel erzielt, wird unmittelbar an die ProduzentInnen ausbezahlt. Die Kooperative geht davon aus, dass diese am besten wissen, wofür sie ihn einsetzen wollen. Viele Familien finanzieren damit den Schul- oder Universitätsbesuch ihrer Kinder. Vergeudung kommt nur in Ausnahmefällen vor, versichern die Mitglieder.
Jeder Produzent trägt außerdem mit 5 US-$ pro verkauften Quintal (ca. 46 Kilo) Kaffee zur Finanzierung eines Kreditfonds bei, aus dem Kleinkredite für die ProduzentInnen bewilligt werden. Dadurch werden sie unabhängiger von den Banken. Viel Wert legt die Organisation auf die Schulung der Mitglieder im Finanzwesen. Alle sollen die Finanzberichte verstehen. "Wenn die Mitglieder auf den Generalversammlungen die Finanzberichte nicht verstehen, können zwei Dinge passieren: Entweder sie applaudieren, ohne etwas zu verstehen, oder sie wenden ihr Gesicht ab. Beides bringt uns nichts", sagte Jorge Abarca, der Geschäftsführer von Cosatin.
Rohkaffee von Tierra Nueva ist beim Partnerschaftskaffee vor allem im Simpatico - unserem Schonkaffee - enthalten
